Pflege Zeitschrift
Springer Medizin
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Politik & Management
Volume: 73, Issue: 6
DOI 10.1007/s41906-020-0717-8
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Highlights

Notes

Politik & Management

Wenn es in diesen Zeiten etwas Positives zu berichten gibt, dann dass überall im Land Menschen wieder aufeinander achten und sich viele freiwillige Helfer um Personen kümmern, die Unterstützung brauchen. Bund, Länder und Gemeinden unterstützen diese Initiativen und bringen Helfende und Hilfebedürftige zusammen. So gibt es vielerorts Einkaufsservices für Menschen, die etwa wegen ihres Alters oder Vorerkrankungen ihr Zuhause derzeit nicht verlassen sollen oder auch "Gassigeher" für den Vierbeiner. Um die Hilfsangebote zu organisieren und den Aufbau von Anlaufstellen zu unterstützen, stellt beispielsweise das Land Rheinland-Pfalz finanzielle Mittel in Form eines frei einsetzbaren Budgets für die Landkreise und kreisfreien Städte bereit und stellt Informationen zentral auf einer Webseite zusammen.

wir-tun-was.rlp.de

Das Bundeskabinett hat am 29. April den Entwurf eines Zweiten Gesetzes zum Schutz der Bevölkerung bei einer epidemischen Lage von nationaler Tragweite beschlossen. Ziel ist es, Corona-Infizierte künftig noch schneller zu finden, zu testen und zu versorgen, sagte Bundesgesundheitsminister Jens Spahn. Das Gesetz soll dazu beitragen, besonders gefährdete Menschen bestmöglich vor einer Infektion mit dem Coronavirus zu schützen und einen besseren Einblick in den Verlauf der Epidemie zu erhalten. So sollen jetzt mehr Tests in Pflegeheimen möglich werden, Meldepflichten wurden erweitert. Beschäftigte in der Altenpflege erhalten im Jahr 2020 einen gestaffelten Anspruch auf eine einmalige Sonderleistung (Corona-Prämie) in Höhe von bis zu 1.000 Euro.

bundesgesundheitsministerium.de

Das Coronavirus versetzt die Bevölkerung in Deutschland weiterhin in Besorgnis. Das geht aus dem "BfR Corona-Monitor" hervor, einer wöchentlichen Umfrage des Bundesinstituts für Risikobewertung (BfR). In der sechsten Woche der Befragung wurden das Ausmaß der gesundheitlichen und der wirtschaftlichen Folgen etwa gleich hoch eingeschätzt. Mit welchen Maßnahmen sich die Menschen gegen das Infektionsrisiko schützen, zeigt die Grafik. Im Vergleich zur Vorwoche (Stand 21.4.20) meiden demnach 2% weniger Personen die Öffentlichkeit, dafür tragen 3% mehr Schutzkleidung wie Masken und Handschuhe. Der Anteil derjenigen Befragten, die keine Schutzmaßnahmen ergreifen, stieg von 19% auf 22%.

bfr.bund.de

Das Universitätsklinikum Würzburg verzeichnet mit Sorge weniger Notfälle, aber mehr verschleppte Infarkte. Doch wer aus Angst vor einer Corona-Infektion nicht den Notarzt ruft, riskiert sein Leben. Viele Betroffene warten derzeit offenbar ab, ob sich ihre Beschwerden legen. "Die Beschwerden legen sich tatsächlich nach sechs bis zwölf Stunden. Dann ist nämlich das Herzmuskelgewebe abgestorben", sagt Professor Dr. Stefan Frantz, Direktor der Medizinischen Klinik und Poliklinik I. Er sieht derzeit so viele verschleppte Krankheitsverläufe wie selten zuvor und appelliert jetzt per Video an Betroffene, bei Beschwerden in die Notaufnahme zu gehen. "Wir sehen selbst jüngere Menschen an Komplikationen versterben, die man hätte verhindern können, wenn man frühzeitig die Gefäße wiedereröffnet hätte." Ähnliches gilt für Schlaganfälle.

Über die Plattform #pflegereserve können Pflegefachkräfte, die aktuell nicht in ihrem Beruf arbeiten und Pflegeeinrichtungen während der Corona-Pandemie zusammenfinden. Nach den Landespflegekammern Schleswig-Holstein, Niedersachsen und Rheinland-Pfalz sowie der Stadt Hamburg ruft nun auch das Land Baden-Württemberg Pflegende und Freiwillige dazu auf, sich hier zu registrieren. Einrichtungen können ihren Bedarf anmelden. Gesucht und vermittelt werden examinierte Alten-, Gesundheits- und Krankenpfleger, Pflegehelfer sowie Angehörige weiterer pflegenaher Gesundheitsberufe.

pflegereserve.de

Im Namen der Präsidentin des International Council of Nurses (ICN), Annette Kennedy, und des gesamten ICN-Vorstands hat sich ICN Geschäftsführer Howard Catton in einer Videobotschaft an die Pflegenden in Deutschland gewandt. In der Botschaft dankt der ICN-Geschäftsführer den beruflich Pflegenden in Deutschland "für Ihre unglaublich gute Arbeit in der Pflege von Menschen mit dem Corona-Virus. Wir wissen, dass Sie wirklich hart arbeiten unter schwierigen Bedingungen und dabei immer zuerst die Anderen im Blick haben." Howard Catton betont auch, wie wichtig der Schutz der Mitarbeiter in den Gesundheits systemen ist und dass sie selbstverständlich die benötigte Schutzausrüstung zur Verfügung haben müssen.

Neben der drohenden Überforderung des Gesundheitssystems durch die Covid-19-Pandemie befürchtet die Vereinigung der Pflegenden in Bayern (VdPB) auch dramatische Folgen für die psychosoziale Gesundheit des Personals in Kliniken, Pflegeeinrichtungen und ambulanten Diensten. Mit der deutlich überdurchschnittlichen Arbeitsbelastung durch das stark erhöhte Patientenaufkommen, den unzähligen Begegnungen mit schweren oder gar tödlichen Krankheitsverläufen, der Gefährdung der eigenen Gesundheit und den vielen ethischen und rechtlichen Konfliktlagen dürfen Pflegende nicht allein gelassen werden. Daher hat die VdPB eine Krisenberatungs-Hotline vorerst für die Dauer der Pandemie eingerichtet, die Pflegenden als erste Anlaufstelle in psychosozialen, ethischen sowie berufsrechtlichen Belastungssituationen dienen soll. Das Beratungsteam ist unter der Nummer 089-2620715-10 zu erreichen.

vdpb-bayern.de/corona-krisenberatung/

Deutsche Kliniken müssen in diesen Zeiten - im Falle eines plötzlichen Anstiegs von Corona-Schwerst-Infizierten - in kürzester Zeit mehr Fachpersonal für die Anforderungen auf Intensivstationen zur Verfügung haben. Dafür werden auch Mitarbeiter von anderen Stationen herangezogen, denen das spezielle Fachwissen aus der Intensivmedizin und Pneumologie fehlt. Dies kann bedeuten, dass bereits Gelerntes wieder aufzufrischen oder neues Wissen aus den geforderten Spezialgebieten zu vermitteln ist. Auf jeden Fall bedeutet es: schnell einen qualifizierten Wissensstand zu erwerben und anwenden zu können. Der Wissenschaftsverlag Springer Nature hat über seine Plattform SpringerLink ein Buchpaket mit deutschsprachigen Lehr- und Fachbüchern aus den Gebieten Intensivmedizin und Pneumologie freigeschaltet. Die ausgewählten Titel wenden sich an pflegerisches und medizinisches Fachpersonal. Das Paket ist ein kostenloses Angebot für klinische Einrichtungen, um sie in der aktuellen medizinischen Ausnahmesituation zu unterstützen.

link.springer.com

Die Deutsche Gesellschaft für Geriatrie (DGG) hat Empfehlungen für die Situation heimversorgter geriatrischer Patienten herausgebracht, die das Ethik-Paper der Deutschen Interdisziplinären Vereinigung für Intensiv- und Notfallmedizin (DIVI) vom März ergänzen. Außerdem wurde eine Dokumentationshilfe für Notfallmediziner oder niedergelassene Hausärzte und für Pflegekräfte im Seniorenheim erstellt. "Es ist uns ein Anliegen, Sie mit den Interpretationen und der Dokumentationshilfe zu unterstützen, Ihre Ihnen anvertrauten Patienten optimal zu versorgen und in diesen schwierigen Zeiten patientenzentriert zu begleiten", erklärte DGG-Präsident Prof. Dr. Hans Jürgen Heppner. "Im Vordergrund steht, zu guten akut-medizinischen individuellen, patientenzentrierten Entscheidungen in Alten- und Pflegeheimen beizutragen", so die DGG weiter. Denn die in der DIVI-Empfehlung "Entscheidungen über die Zuteilung von Ressourcen in der Notfall- und der Intensivmedizin im Kontext der Covid-19-Pandemie" genannten Situationen und Verfahren für Priorisierungsentscheidungen seien nicht auf Alten- und Pflegeheime übertragbar. Das Paper fokussiert die Aspekte allgemeine Grundsätze der Entscheidungsfindung sowie Verfahren und Kriterien für Priorisierungsentscheidungen bei Ressourcenknappheit. Alle Dokumente stehen auf der Webseite der DGG zum kostenlosen Download zur Verfügung.

dggeriatrie.de

Nadya Klarmann

Präsidentin der Pflegekammer Niedersachsen

Die Diskussion um die Anerkennung von Pflegefachberufen geht einher mit der Professionalisierung des Berufes. Lange hat es gedauert, bis pflegende Frauen mehr als einen "Gotteslohn" gefordert haben. Heute gibt es mal Applaus, mal Blumen oder eine Packung Merci. Alles gut gemeint, aber immer am Problem vorbei. Applaus verebbt, Blumen verwelken, Merci macht dick. Pflegefachpersonen stellen heute ganz andere Forderungen. Pflege ist aus den Kinderschuhen rausgewachsen. Das ist für viele neu und gefällt nicht allen. Gerade während der Corona-Pandemie wird deutlich, dass Pflegende das System am Laufen halten. Pflegefachpersonen kämpfen an vorderster Front gegen einen unsichtbaren Gegner, allzu oft ohne ausreichenden Schutz in einem Minenfeld ständiger Gefahr. Ein einmaliger Corona-Bonus von 1.500 Euro wäre ein erstes bescheidenes Signal. Doch schon das Gerangel um die Finanzierung und die Frage, wer ihn überhaupt bekommen soll, zeigen einmal mehr, dass zwischen Worten und Taten Welten liegen. Die Prämie muss sektorenübergreifend allen Pflegefachpersonen zu Gute kommen. Sie darf nicht zu einer Beruhigungspille werden. Folgen müssen regelmäßige Gefahrenzulagen für alle an der Corona-Front. Selbstverständlich refinanziert und steuerfrei. Vergessen wir Mindestlöhne! Nach der Krise braucht es flächendeckende Tarifverträge: 4.000 Euro monatlich bei einer Vollzeitstelle müssen es als Einstieg sein.

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Die Weichen zur Erstattung digitaler Gesundheitsanwendungen (DiGA) sind mit der veröffentlichten Rechtsverordnung und dem Leitfaden des Bundesinstituts für Arzneimittel und Medizinprodukte (BfArM) gestellt. Der Bundesverband Medizintechnologie (BVMed) bewertet es positiv, dass die Anforderungen an den Nutzennachweis das von der Regierung versprochene "Fast-Track-Verfahren" für den Zugang zu DiGAs ermöglichen. "Jetzt brauchen die MedTech-Unternehmen und DiGA-Anbieter aber auch den Zugang zu Abrechnungs- und Forschungsdaten, um beispielsweise retrospektive Studien durchführen zu können. Es geht zudem um die Frage, ob die Wertschöpfungskette von hochinnovativen medizintechnischen Produkten auch weiterhin in Deutschland sein wird", so BVMed-Geschäftsführer Dr. Marc-Pierre Möll.

Nachweis positiver Versorgungseffekte: Um eine digitale Gesundheitsanwendung im Rahmen des "Fast-Track-Verfahrens" erproben zu können, müssen die Hersteller nach der angepassten Rechtsverordnung zu Beginn "mindestens die Ergebnisse einer systematischen Datenauswertung zur Nutzung der digitalen Gesundheitsanwendung" vorlegen - jedoch keine umfangreiche Pilotstudie mehr. Der Nachweis von positiven Versorgungseffekten erfolgt über eine Vergleichsstudie. Zu den erforderlichen Daten und weiteren Forschungsdaten hat die Industrie jedoch nach der derzeitigen Formulierung des Gesetzentwurfs zum Patientendaten-Schutz-Gesetz (PDSG) keinen Zugang.

Konsistente Umsetzung: Der BVMed sieht bei diesem Thema den "dringenden Bedarf für eine allgemeine Datenstrategie im Gesundheitswesen, damit die Gesetzgebung und ihre Umsetzungsschritte konsistent bleiben". Der BVMed hat dem Bundesgesundheitsministerium bereits ein erstes Konzept dazu vorgelegt. Ein Auslesen der Daten im DiGA-Verzeichnis solle ab 2021 auch den Herstellern ermöglicht werden.

Internationale Studien zulassen: Kritisch sieht der BVMed die Einengung der DIGA-Verordnung zur Nachweisführung von positiven Versorgungseffekten auf deutsche Studien. Der Verband plädiert für eine Erweiterung auf europäische und zusätzliche Staaten, unter anderem die USA, da eine zu enge Regelung den Markteintritt von sinnvollen Innovationen in den deutschen Markt verhindern könnte. Der BfArM-Leitfaden sieht hierfür Möglichkeiten vor. Für die Planungssicherheit der Unternehmen seien Vorgaben zu den konkreten Voraussetzungen dafür wichtig, so der BVMed.

bvmed.de

Gute Nachrichten für berufstätige pflegende Angehörige: Sie können zehn Tage bezahlt freinehmen, wenn sie während der Corona-Pandemie die Pflege neu organisieren müssen, etwa weil die Tagespflege geschlossen ist. Diese Erweiterung des Pflegeunterstützungsgeldes wurde nun vom Kabinett beschlossen. Sie gilt bis zum 30. September 2020. Bisher mussten pflegende Angehörige Urlaub oder Überstundenfrei nehmen und waren mit der Neuorganisation der Pflege allein gelassen. Die Bundespflegekammer hat sich für eine Erweiterung des Familienpflegezeitgesetzes stark gemacht, die ein sogenanntes Pflegeunterstützungsgeld vorsieht. "Pflegende Angehörige können bis zu zehn Arbeitstage ohne Ankündigung der Arbeit fernbleiben, um eine akute Pflegesituation zu organisieren", erläutert Patricia Drube, Sprecherin der Bundespflegekammer und Präsidentin der Pflegeberufekammer Schleswig-Holstein . Der Arbeitgeber kann die Kosten dafür direkt bei der Pflegekasse beantragen."

pflegeberufekammer-sh.de

https://www.researchpad.co/tools/openurl?pubtype=article&doi=10.1007/s41906-020-0717-8&title=Politik & Management&author=&keyword=&subject=Politik & Management,